Zeittafel zur Geschichte der
Kaiserlich-Königlich
privilegierten Schützengesellschaft Günzburg
erhielt die Stadt Günzburg von Herzog Albrecht III. das Privileg, Leute, die bis dahin auf dem Land lebten, als Bürger in die Stadt aufzunehmen.
1370
Herzog Albrechts Bruder, Herzog Leopold III., bestätigte ausdrücklich das „Alte Herkommen“. So sollten „alle, die in der Stadt sitzen, mit ihr leiden an Steuern, Wachen und sonstigen Diensten, wie andere Bürger.“
Das heißt, die wichtigste bürgerliche Pflicht war neben der Steuerpflicht die Wehrpflicht. Die Waffen (damals Bogen und Armbrüste) lagerten in einem städtischen Arsenal, dem Zeughaus.
um 1440
Die „Uralten Statuta“ der Stadt überliefern eine Weisung des Rates an die Bürger der Stadt: „Zu den Schizen soll man gauw (gehen) war von alters so herkommen.“
Die „Uralten Statuta“ der Stadt Günzburg enthalten eine Stadtordnung, die in ihrem Punkt 17 erstmals Schützen nennt (siehe oben). Die „Uralten Statuta“ sind kein Statutenbuch im eigentlichen Sinn, sondern ein Konvolut ursprünglich ungebundener Aufzeichnungen mehrerer Stadtschreiber über verschiedenartige Vorfälle des damaligen städtischen Lebens. Die erwähnte Stadtordnung wurde von einem Stadtschreiber namens Paul Hämmerlin überliefert, der an der Wende des 15. zum 16. Jh. lebte.
„Ein ersamer Rath hat an Heudt dato wohlbedächtlich verordnet, daß hinfurter die zwei ältere Schizenmaister die Leglade und die zwei jüngere Schizenmaister das Schlistel (Schlüssel) darzu haben und keiner ohn den anders darüber gehen solle.“
Zu der Zeit gab es also bereits einen Schießplatz und eine Leglade (Kasse für das sog. Leggeld; entspricht der heutigen Standgebühr).
1657
Älteste erhaltene Schützen-Ordnung (heute im Stadtarchiv).
1660
Die „Schizen“ befragen den ehrsamen Rat „wegen ains Freyschissen (öffentliche Schießveranstaltung für alle Bürger) und ob der Rat etwas dazu gebe.“
1695
Auf „ansuchen des Kayl. Oberamts, daß selbiges heuer gerne ein Schissen anstellen und die bürgerschaft mit anlegen lassen wolle, wann man nur ein Hüttlein vom Stadtwerg machen lassen möchte.“
Offenbar hatte man bis zu diesem Zeitpunkt keinen Unterstand für die Schützen.
1702
Johann Wilhelm von Pfalz Neuburg erläßt eine Schützenordnung zur „Erhaltung ehrlicher Kurzweil und freundlicher Gesellschaft“.
Dieses Zitat bringt zum Ausdruck, dass das Schützenwesen zu diesem Zeitpunkt seine Bedeutung für die Verteidigung der Stadt verloren hatte.
1738
Die „allhiesige Schizenmeister erscheinen vor dem Rath und bitten, man möchte zue aufnahme der Schizen-Compagnie ein Mittel ausfinden, damit die Schizenordnung ein besser Stand gehalten werden möchte.“
Mit der Gründung der „Schizen-Compagnie“ ist also eine strengere Einhaltung von Schießvorschriften verbunden.
1763
Bau des Günzburger „Schießhauses“, auch „Schießanstalt“ genannt. Planung und Durchführung wurden von Johann Georg Sartori (1764 geadelt: von St. Fidel), seit 1763 Oberamtsdirektor in Günzburg, organisiert.
Das Gebäude stand nördlich der Schlachthausstraße, gegenüber der Einmündung der „Schützenberg“ benannten Straße.
1772
Neue „Artikel und Satzungen“ für die Günzburger Schützen.
Ein Zusatz in diesem „Goldenes Buch der Schützen“ genannten Band enthält die kaiserliche Privilegierung durch Maria Theresia (29. August).
1775
Die „Schitzen-Compagnie“ erhält eine neue Fahne, die 1803 restauriert wurde und deren Überreste noch heute erhalten sind.
1823
Überarbeitung der Schützen-Ordnung durch eine „Commission“ unter den Herren Schützenmeistern Viola und Grashey.
1869
Herstellung eines neuen Schießstandes für Feuerstutzen am „Kugelfang“.
Diese Schießanlage verschwand im Zuge der Errichtung des Auwaldstadions.
Bau eines zum Schießhaus gehörenden Saalgebäudes.
Alle größeren Veranstaltungen im Stadtgebiet wurden in den nächsten mehr als 40 Jahren (bis zur Fertigstellung der Jahnhalle) dort abgehalten.
1902
Die Stadt Günzburg verlangt von den Schützen Unterlagen, die die kaiserliche Privilegierung belegen.
Man reichte das „Goldene Buch der Schützen“ beim Magistrat ein; die Stadt erkannte die Einträge jedoch als nicht ausreichend an.
1914 bis 1919
Einstellung aller Vereinstätigkeiten wegen des 1. Weltkrieges.
1920
Wiederaufnahme des Schießbetriebes unter den Schützenmeistern Peter Schickel und Clemens Höh.
Die Suche nach der kaiserlichen Privilegierung gerät für
mehrere Jahrzehnte in Vergessenheit.
Eingliederung der Schützengesellschaft in die „Nationale Sportorganisation“.
1939
Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges war eine weitgehende Einstellung der Vereinstätigkeit verbunden. Schießhaus und Kugelfang wurden ab diesem Zeitpunkt mehrheitlich von den verschiedenen Gliederungen der NSDAP genutzt.
1945
Bei einem Luftangriff auf den Günzburger Bahnhof wurde das benachbarte Schießhaus getroffen und vollständig zerstört. Dabei gingen unersetzliche Dokumente des Günzburger Schützenwesens, darunter Schützenscheiben des frühen 18. Jahrhunderts und alte Waffen aus dem Schützenzimmer für immer verloren.
1950
Mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung wurde am 15. April 1950 die Königl. priv. Schützengesellschaft wiederbelebt.
1952
Die 500-Jahr-Feier der Königlich privilegierten Schützengesellschaft wurde zu einem Großereignis. Über 700 Schützen aus ganz Bayern und Württemberg waren damals in Günzburg zu Gast.
1982
Planung und Baubeginn des neuen Schießhauses am Kugelfang.
1985
Einweihung der neuen Anlage und Weihe der neuen Fahne.
2002
Die 550-Jahr-Feier der Königlich privilegierten Schützengesellschaft mit 3.000 Gästen war erneut ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Stadt.
2008
Wiederentdeckung der kaiserlichen Privilegierung durch
Herbert Ehrmann und Anerkennung durch die Regierung von Schwaben am 12. März
2008.

Nach mehrjähriger Forschung der Schützen und mit Unterstützung von Stadtarchivar Walter Grabert M.A. ist es gelungen, in der Schützen-Ordnung vom 29. August 1772 die kaiserliche Privilegierung der Günzburger Schützen-Compagnie zu entdecken. In einer Feierstunde im Münzkabinett des Günzburger Rathauses wurde dieses Ereignis in Anwesenheit von Oberbürgermeister und Schützenkommissar Gerhard Jauernig und der Vertreterin der Regierung von Schwaben, Frau Regierungsdirektorin Inge Steinmetz-Maaz, im Goldenen Buch der Stadt Günzburg für immer festgeschrieben.
2010
Das Günzburger Schießhaus der Kaiserlich Königlich privilegierten Schützengesellschaft ist heute eine großzügige Anlage mit 3 x 5 Sportpistolen-Ständen (25 mtr.), 10 x 50 mtr. KK-Ständen und 20 Luftdruckwaffen-Ständen. Dazu gehört auch ein großer Gastraum mit vielen Ehrenscheiben und ein von Herbert Ehrmann initiiertes und eingerichtetes „Historisches Zimmer“, in dem neben vielen alten Schützenscheiben auch die geschichtlichen Grundlagen der Schützengesellschaft im Original oder in Kopie aufbewahrt werden.